Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Stellung vom Leben des Moses, steht nun auch Ezechiel, der Tragiker. Wandelt Ezechiel auf den Wegen der attischen Tragödie, so begegnen wir in seinem Zeitraum, dem zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, auch einem Bemühen der Juden, dem Vorbild der Griechen im Epos nachzueifern. Phi Ion, den man — im Unterschied; zu dem Philosophen — den Älteren nennt, dichtet eine Geschichte Jerusalems. Theodotos, ebenfalls im zweiten vorchristlichen Jahrhundert, dichtet eine Geschichte der Stadt Sichern. Theodotos und Philon der Ältere sind die unmittelbaren Jahrhundertgenossen des Tragikers Ezechiel. Während uns aber von Philon nur 24 Hexameter, von Theodotos 47 Hexameter erhalten sind, gewinnt Ezechiel mit seinen 269 iambischen Trimetern einen weiten textlichen Vorr sprung. Was aber nun bedeutet die hellenistische Epoche in der religiösen Geschichte Israels? Hier hat sich in einem säkularen Ausmaß das Problem gestellt von dem Verhältnis der Kultur zur Offenbarungsreligion. Und dieses Problem hat sich nicht nur theoretisch und abstrakt gestellt. Vielmehr von den Juden jener Zeit ist es gelebt, durchkämpft worden. Es war groß und schön und verlockend, in die hohe griechische Welt einzutreten, die eigenen Gedanken zu künden in der Sprache Platons, zu dichten in der Sprache des Aischylos, des Sophokles, des Euripides. Herrlich und ergreifend wie je war der Anblick dieser Göttertempel — aber der Tempel des Einen Gottes vom 76