Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 28)
- Language
- German
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Ein weiteres wichtiges Problem hat sich der Ezechielliteratur in der Frage gestellt, ob denn dieses Drama des hellenistischen Juden für die Aufführung, für das wirkliche Theater bestimmt gewesen sei. Oder ist das Drama des Ezechiel ein Lesedrama? Kuiper hat ein nicht unbedeutsames Argument geltend gemacht. Das Drama müsse für die Bühne bestimmt gewesen sein. Denn gerade dadurch erklären sich die Worte, die Gott (Vers 101 bis 103) an Moses richtet. Gott bleibt bei Ezechiel unsichtbar. Der jüdische Glaube verbot es, Gottes Erscheinung sichtbar werden zu lassen. Und bei Ezechiel sagt Gott zu Moses ausdrücklich, es sei dem Menschen verwehrt, Gott von Angesicht zu Angesicht anzuschauen, wohl aber sei es Moses verstattet, Gottes Stimme zu vernehmen. Schürer gibt ebenfalls sein Votum dafür ab, daß das Drama ein Bühnenwerk ist. So entscheidet sich auch die griechische Literaturgeschichte von Christ-Schmid- Stählin in dem Ezechielkapitel. Auch Susemihl vertritt diese Meinung. Das also wären noch mögliche ästhetische Fragen, zu denen die Ezechieltexte Anlaß geben. Die letzte ästhetische Frage bleibt natürlich die Frage nach der Bedeutung des Dichters Ezechiel, nach der Kraft seiner dichterischen Gestaltung, seiner Phantasie. In der Ezechielliteratur hat man die Poesie des Ezechiel recht prosaisch genannt, ihm aber eine gewisse Gewandtheit in der Dramatisierung des Stoffes zuerkannt, und seine Sprache und Verse hat 73