Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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wiederum aus eigener Phantasie — den Botenbericht über die Erscheinung des Wundervogels Phönix. Auch an diese Stelle haben sich tiefer schürfende Betrachtungen der Ezechielliteratur angeschlossen, auf die hier aus Raumgründen im Einzelnen nicht eingegangen werden kann. Das aber verdient Hervorhebung, daß Eustathius, der im 4. Jahrhundert lebende Patriarch von Antiocheia, in seinem ihm zugeschriebenen, vielleicht aber fälschlich ihm zugeschriebenen Kommentar zum Hexaemeron die Ezechielverse 256—269 zitiert, wobei er den Namen des Ezechiel jedoch nicht nennt. — Eine ästhetische Betrachtung und Analyse des Ezechieltextes führt nun allerdings, über die bisher erörterten Probleme hinaus, zu noch ganz anderen Blickmöglichkeiten und Betrachtungspunkten. Wie etwa ist der Aufbau eines solchen Dramas zu denken? Darf man davon ausgehen, daß die dramatische Handlung in Akte eingeteilt gewesen ist? Für den Bereich der alexandrinischen Literaturepoche wird eine solche Akteinteilung des Dramas angenommen und vorausgesetzt, und in seinen plautinischen Forschungen hat Leo über diese Frage gehandelt. Wieneke hält an einer Akteinteilung des Ezechieldramas fest. Nach seiner Überzeugung umfaßt der erste Akt den Mosesmonolog und das Gespräch mit Sepphora, die von sieben Jungfrauen begleitet die Szene betritt. Der zweite Akt enthielte den Mosestraum und die Deutung des Traumes. Dem dritten Akte wäre der Dialog zwischen Gott und Moses zuzuweisen. 72