Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3111067-3111128-3119349--7916-3119476- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
poetischen Schaffens verfährt. Es sind dies - die Verse 66 und 67, der Dialog zwischen Seppliora und ihrem Bruder Chus, dann (Vers 68—83) der Traum des Moses und (Vers 83—89) die Deutung dieses Traums durch den Vater - der Sepphora, den Schwiegervater des Moses, durch Rhaguel. Dann gehören hierher, in diesen Bereich freien Phantasieschaffens, die Schlußverse des * Ganzen, die Verse 254—269, der Botenbericht von der Wundererscheinung des Vogels Phönix. Das ästhetische Urteil dürfte wohl zu Recht bestehen, daß unter diesen genannten, von Ezechiel frei erfundenen, also ohne Stützung durch die heilige Schrift geschaffenen Stellen einen besonderen, dichterischen Wert die Traumerzählung und die Traumdeutung zu beanspruchen hat. In diesen Versen, Vers 68 ff., in denen Moses dem Rhaguel sein Traumgesicht berichtet, und in der Deutung (Vers 83 ff.), die Rhaguel dem Traum des Moses gibt — in dieser gesamten dramatischen Stelle wächst, wie man wird zugestehen müssen, Größe und Erhabenheit des Prophetentraumes auf. Geheimnis ist gebreitet um die Herrschergestalt in diesem Traum, die auf dem Throne sitzend Szepter und Diadem in den Händen hält, die dann die Stufen des Thrones verläßt und den Moses niedersetzen heißt auf dem Sitze der königlichen Macht. Es ist eine erhabene Sicht, wenn die Gestirne vor Moses in die Knie sinken, wenn sie dann vor Moses vorüberwallen in unendlichem Zug. Und es ist ein starker dichterischer Abschluß des Traumberichtes, wenn 68