Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 21)
- Language
- German
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mentarische Bestand des Textes kein sicheres Urteil über die Zusammenhänge der Dichtung gestatte. Ist der Dialog zwischen Gott und Moses im Wesentlichen so überliefert, wie Ezechiel diesen Teil seines Werkes gestaltet hat, so bleibt eben festzustellen, daß die Verse 90 ff. aufs Ganze hin gesehen von einem nur problematischen künstlerischen Werte sind. Und zwar sind diese Verse künstlerisch problematisch, weil sie dem Numinosen, das hier zu gestalten gefordert war, nicht den adäquaten Ausdruck schaffen. Diese etwa 100 Verse des Dialogs zwischen Gott und Moses gliedern sich nach ihrem künstlerischem Range etwa so, daß in den Versen 90 —95 das numinose Wunder gewahrt bleibt, daß der Dichter in Anlehnung an Exodus einen von dem ungeheuren Zeichen des brennenden Dornbusches erschütterten Moses zumindest in skizzierender Andeutung gestaltet hat. Es folgen dann die Verse 96 bis 112, in denen — unerachtet der im Vorstehenden gekennzeichneten Einbußen — im Ganzen doch das Gottesmysterium spürbar wird. Der ästhetische Bruch aber erfolgt bei den Versen 113—115. Die hier einsetzende Gegenrede des Moses ist ein aus jedem Zusammenhang gelöstes Einsprengsel. Ein Blick auf die Bibel belehrt hierüber, wie der Exodusbericht, der doch ein epischer Bericht ist, in der Überfülle dramatischer Spannungen steht, wie hier wahrhaft dies erhabene Ringen geschieht, in dem Gott, der allmächtige Gott, immer wieder von Neuem es unternimmt, einen gegenredenden und widersprechenden Menschen zu überzeugen, daß er die 66