Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3111067-3111128-3119349--7913-3119473- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
numinosen Größe der heiligen Schrift bei Ezechiel Einbuße über Einbuße festzustellen. Bis ins Einzelne gehen diese Verlustmomente. Man vergleiche nur Exodus 4,10 ff. Moses hat eingewandt, er sei nicht beredt. Wie erhaben ist die Zurechtweisung, die er von Gott erfährt (Exodus 4,11): „Wer ist es, der dem Menschen den Mund geschaffen hat? Wer denn hat den Stummen gemacht und den Tauben und den Sehenden und den Blinden? Bin denn Ich es nicht, der dies getan hat? Ich, der Herr!“ Und wenn Moses in Exodus 3,13 die Frage tut, wie er denn den Gott benennen solle, der ihn gesendet hat, so antwortet Gott mit dem Grundfaktum aller Offenbarung: „Ich bin der Ich — Bin!“ Es läßt sich nicht anders sagen, als daß die Gegenrede des Moses bei Ezechiel, in der sich Moses als den Wortschwachen bezeichnet, wie ein aus jedem Zusammenhang gelöstes Trümmerstück anmutet. Es kann keine Rede davon sein, daß diese zentrale Szene zwischen Gott und Moses bei Ezechiel irgend der numinosen Größe angenähert wäre, in der in den Exoduskapiteln der Bibelbericht aufragt. Sind hier vielleicht die erhaltenen Ezechielfragmente doch nur eben fragmentarisch auf uns gekommen? Besitzen wir von dieser bei Ezechiel immerhin etwa 100 Verse umgreifenden Szene doch nur Fragmente? Wieneke neigt in seiner Ezechielstudie zu der Auffassung, daß von dieser den Dialog zwischen Gott und Moses umfassenden Szene der größte Teil uns erhalten sei. Dann ließe sich nicht mit dem Gedanken operieren, daß der bloß frag- 5 65