Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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den Tiefen seines Herzens erfährt, wird bei Ezechiel dadurch Ausdruck, und auch Ausdruck im echt biblischen Sinne, daß. Gottes Stimme zu dem erschreckten Moses spricht: „Sei doch getrost, mein Sohn!“ Und dann fährt Gottes Stimme fort zu sagen, es sei dem sterblich Geborenen nicht gegeben, Gott zu schauen von Angesicht zu Angesicht, wohl aber dürfe Moses hören und vernehmen, was Gott ihm verkünde. Und endlich fehlt auch bei Ezechiel nicht, was in Exodus 3, 6, wenn es verstattet ist, so zu sprechen, das erhabene, numinose, theokratische Leitmotiv ist: „Ich bin der Gott deiner Väter. Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ (bei Ezechiel Vers 104 und 105). Faßt man also das Ergebnis dieser Analyse der Ezechielverse 96—113 gerade unter dem Gesichtspunkt der Gestaltung des Numinosen zusammen, so muß man wohl feststellen, daß gegenüber dem Septuagintatext bei Ezechiel schwere Einbußen zu verzeichnen stehen, daß aber andererseits auch starke Akzente und Werte des Numinosen vorhanden sind. Dünn und substanzlos ist bei Ezechiel der Anruf an Moses. Gewahrt aber ist die bangende Scheu des Menschen vor dem Einbruch der Gottesgewalt. Gewahrt auch ist vor allem der offenbarende Ur-Ruf: „Ich bin der Gott deiner Väter! Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs!“ Im Fortgang des Ezechieltextes bedeuten die Verse 113—131 das spezifisch dialogische Element dieser Dornbuschszene. Auf die zusammenhängen- 6i