Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 14)
- Language
- German
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Exodus 3,2 heißt es, daß in der Feuerflamme, die aus dem Busche flammt, dem Moses der Engel des Herrn erscheint. Bei Ezechiel läßt sich nichts darüber entnehmen, ob der Dichter diese Engelserscheinung beibehalten hat. Im Eingang der Dombuschszene spricht Moses, und dann gleich ant wortet ihm Gott. Es ist ja auch in Exodus 3,2 ff. nicht so, daß etwa der Engel des Herrn zu Moses spräche. Der Engel erscheint nur. Die Worte, die dann an Moses ergehen, spricht Gott. In diesem Zuge folgt Ezechiel ganz dem biblischen Vorgang. Nach den Eingangsworten des Moses ist es der Herr, der Antwort gibt. Der jetzt folgende Szenenverlauf ist dadurch gekennzeichnet, daß — in Anlehnung an Exodus 3 und 4 — zunächst Gott der Sprechende ist, daß dann aber Wechselgespräch einsetzt zwischen Gott und Moses. Es gilt zunächst, die zusammenhängenden Worte, die bei Ezechiel Gott spricht, zu betrachten, ehe zu einer Analyse des Wechselgespräches weitergegangen wird. Die Worte, die bis zum Beginn von Rede und Gegenrede Gott an Moses richtet (bei Ezechiel Vers 96—112), entsprechen Exodus 3,1—10. In Exodus 3,11 setzt die Gegenrede des Moses ein. Was ist nun das Gewaltige in dem Exoduseingang dieser Gottesworte? Es ist der zweimalige Anruf: „Moses! Moses!“ Erhaben ist auch, daß in Exodus 3,4 eine kurze stammelnde Antwort des Moses auf diesen Anruf geschieht, in dem er bekundet, daß er den Anruf vernommen hat. Erst nach 59