Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 13)
- Language
- German
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nicht. Es gewinnt den Anschein, als ob Ezechiel diese Art der Formung des Wunderbaren zu abstrakt-rational erschienen sei. Wieder beobachten wir bei ihm die Tendenz, aus Bild und Anschauung zu gestalten. Wir sahen diese Intention schon einmal bei Ezechiel, als er im Monolog des Moses (Vers 19,20) von der Pharaonentochter sprach, die an den Fluß geht, um in seinen Wassern die zarte, junge Haut zu baden. Aus analoger künstlerischer Absicht verfährt der Dichter auch hier im Eingang zur Dombuschszene. Daß der Dornbusch brennt, aber nicht verbrennt — diese rationale Antithetik der Septuaginta hebt er in sinnlichen Ausdruck, wenn er sagt: der Dombusch bleibt grünend und sprossend. In diesem Eingang der Dornbuschszene darf man ferner anmerken, daß Ezechiel Gewicht darauf legt, das Wunderbare des Geschehens nicht nur Bild werden zu lassen, sondern auch das Mysterium dieses Wunders gegenständlich zu machen. Wenn Moses sich anschickt, an den Busch heranzutreten, so spricht er — wie in Exodus 3,3 — von dem großen Wunderzeichen. Ezechiel aber gibt noch einen verstärkenden Akzent, wenn er hinzufügt, daß dieses Wunder so unglaublich sei, daß kein menschlicher Glaube es zu fassen vermöge. Aber es sind dies doch nur begleitende Züge des Ganzen. Und, wie selbstverständlich, kommt es bei einer Gestaltung der Dornbuschszene auf dieses Eine, Letzte an: gelingt es dem Dichter, dem Numinosen Ausdruck und Atmosphäre zu schaffen? In 58