Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 11)
- Language
- German
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seines Volkes, und daß dieser große, jüdische Mensch in diesem Monolog im Drama des Ezechiel nun bekennt, er habe den Königspalast und also die Stätte allen Glanzes ägyptischer Kultur verlassen, und er sei von einer inneren Stimme getrieben worden, die Taten zu tun für seine Brüder, für Israel. Es bleibt ein sehr gewagtes und ein durchaus auch unmögliches Unternehmen, durch die Fragmente dieses Dramas etwa Vordringen zu wollen zu dem Menschen und Dichter Ezechiel, der diese biblische Dichtung schuf. Mit allen Eingrenzungen also gesagt, wird doch zumindest einer möglichen Vermutung Raum gegeben werden dürfen. Ist es ein bloßer Zufall, daß Philon, der die Schätze griechischer Bildung besaß, in seinem „Leben des Moses“ gerade dessen Erwähnung tut, daß Moses eine hohe Bildung in Ägypten habe genießen dürfen? Es kann nichts darüber mit irgend einer Sicherheit gesagt werden, daß Philon etwa das Drama des Ezechiel gekannt habe. Ist es nun wieder ein bloßer Zufall, daß der griechische Jude Ezechiel der Gestalt seines Moses diese Züge tragischer Spannung gab, daß er fühlbar machte, was Moses daran setzte, als er von den Schätzen der Kultur fort zu seinen Brüdern, zu seinem Volke den Weg gesucht hat? Mußte es nicht vielleicht gerade ein griechischer Jude sein, der in einer Dichtung der Gestalt des Moses diese Spannung geben konnte — diese Spannung zwischen fremder Kultur und Offenbarungsgebundenheit an das eigene Volk? 56