Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 10)
- Language
- German
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sich erfahren; dann aber, als sich die Jahre seines Alters erfüllt hätten, habe ihn die innere Stimme nicht ruhen lassen, und es habe ihn fortgetrieben aus dem königlichen Palaste, fortgetrieben zu Tat und Entscheidung. Ezechiel folgt hier Exodus 2,11, wo berichtet ist, daß Moses, als er groß geworden war, zu seinen Brüdern gegangen sei. Die Bibel aber meldet nicht mit ausdrücklichen Worten, daß Moses in die Einflußsphäre einer hohen Kultur, der ägyptischen Kultur, gekommen war. Es verdient Beachtung, daß Philon, der ein Werk „Das Leben des Moses“ geschrieben hat, in dieser Schrift ebenfalls des Umstandes Erwähnung tut, Moses habe königliche Erziehung genossen, wie es denn überhaupt einer Überlieferung entsprach, daß Moses im Palaste des Pharao jede Art der ägyptischen Bildungs- und Erziehungsmöglichkeiten habe auf sich einwirken lassen können. So steht es in der Apostelgeschichte 7,22 ausdrücklich verzeichnet, daß Moses in aller Weisheit der Ägypter unterrichtet worden sei. Für den Monolog des Moses bei Ezechiel wird aber als ein Besonderes immerhin vermerkt werden dürfen, daß hier der Dichter der Gestalt des Moses tiefer charakterisierende Züge zu geben versucht hat. Es darf als eine tragische Spannung in der Hauptfigur des Dramas gespürt werden, daß hier ein jüdischer Mensch dargestellt ist, dem alle Wege einer großen Kultur aufgeschlossen worden waren, der die Wahl gehabt hatte zwischen den Verlockungen und Verführungen dieser Kultur und dem treuen Dienste an seinem Volke und am Gotte 55