Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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seien mit ihr am Flusse entlang gegangen. Bei Ezechiel wird diese Szene Anschauung und Bild, wenn es im Monolog des Moses heißt, die Königstochter sei mit ihren Gespielinnen zum Wasser hinabgestiegen, um darin die zarte, junge Haut zu baden. Wieneke vermerkt in seiner lateinisch geschriebenen Arbeit, daß Ezechiel hier sehr gut nach Weise eines dichterischen Gestalters die Verse geformt habe. Ein ganz anderer Ton beherrscht den Schluß dieses Moses-Monologs. Moses hat von dem Ägypter erzählt, den er gemordet habe, von der Verfolgung durch den Pharao, von seiner Flucht, und der Monolog schließt: Und irre nun, ein Fremder, durch das fremde Land. Der Septuagintatext wirkt nüchterner, sachlicher. Bei Ezechiel steht hier die Gestalt des Unbehausten, und etwas Ahasverisches bricht durch diese Worte des Moses, und wenn auch in schwachen Andeutungen nur, dennoch hindurch. Und noch an einer dritten Stelle legt dieser Monolog eine ästhetische Betrachtung nahe. Im Septuagintatext (Exodus 2,10) heißt es von Moses, er sei zu der Tochter Pharaos gebracht worden, und sie habe ihn gehalten wie ihren eigenen Sohn. Im Monolog des Moses bei Ezechiel findet sich eine bedeutsame Füllung dieser Stelle. Hier berichtet Moses von sich selber, er habe im Königspalast des Pharao und seiner Tochter, als hätte er zur Familie des Königs gehört, die ganzen Vergünstigungen einer höfischen Erziehung und Bildung an 54