Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Größe und gefährdende Verführung dieser Begegnung erfährt und also im letzten jenen schweren Kampf zu bestehen hat, der in der Geschichte des jüdischen Volkes dann ausbricht, wenn der jüdische Mensch in die Wahl und Entscheidung gestellt wird zwischen den großen Kulturen, der Kultur überhaupt und dem ewigen Gott Israels und seiner Offenbarung. In jener Epoche hat Ezechiel gelebt. Er war ein hellenistischer Jude, die Sprache, die er sprach und die Sprache, in der er dichtete, war die Sprache Griechenlands und der griechischen Tragödie. Ezechiel war ein hellenistischer Jude, wie dann später Josephos es war und Philon von Alexandreia. Weil diese griechischen Juden den Streit auszufechten hatten zwischen einer großen, fremden Kultur und der Geisttradition, dem Erbe des eigenen Volkes und dem Glauben der Väter, weil sie in dieser typischen jüdischen Situation leben und bestehen mußten, die sich immer dann ergibt, wenn eine fremde Kultur den jüdischen Menschen vom eigensten jüdischen Glaubensbesitze wegzulocken droht — deshalb sind, über die gewaltigen Räume der Jahrhunderte hinweg, jene hellenistischen Juden uns Juden der Gegenwart so nah, in ihren Lebensproblemen so wesensverbunden. Denn auch wir heutigen Juden haben viel erfahren von diesem Entscheidung fordernden Kampfe zwischen Kultur und Bibelwort und Offenbarung. Es gilt nun, fürs erste einen Einblick in jenes dramatische Werk des Ezechiel zu eröffnen und im Einzelnen darzülegen, welches der Gegenstand 48