Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ezechiel, der Tragiker
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ezechiels biblischem Drama besitzen. Eusebios nennt den Ezechiel „den Dichter der Tragödien“, Clemens formuliert noch genauer und gibt dem Ezechiel das Beiwort „Dichter der jüdischen Tragödien“. Hieraus also müßte geschlossen werden, daß Ezechiel nicht nur als Dichter dieses „Auszugs aus Ägypten“, sondern auch als Verfasser anderer Dramen, anderer Tragödien zu betrachten wäre. Die uns vom „Auszug“ enthaltenen Fragmente umfassen einen Textbestand von 269 griechischen jambischen Trimetern. Ezechiel also dichtet in Sprache und Versmaß der großen griechischen Tragödie, und über seine Abhängigkeit insbesondere von Euripides wird noch zu sprechen sein. Die Bedeutung eines solchen Dichters wie Ezechiel hängt geistesgeschichtlich keineswegs bloß davon ab, ob er ein Dichter in der hohen Sinnfülle dieses Wortes gewesen ist. Die Art seines dichterischen Schaffens, die Kraft seiner dichterischen Gestaltung, die Fülle oder Begrenzung seiner Phantasie muß auf Grund einer eingehenderen Analyse seiner Fragmente zur Erörterung gestellt werden. Selbst aber, wenn sich erweisen sollte, daß die Dichtergestalt des Ezechiel vor heutigem strengstem ästhetischem Urteil nicht zu bestehen vermöchte, so bliebe doch das Bewegende dieser Erscheinung, daß sie dem großen geisterschütterten Zeitraum des jüdischen Hellenismus zugehört, jener Epoche also, in der das jüdische Volk der griechischen Dichtung, Kunst, Philosophie begegnet, in der das damalige Judentum die ganze 47