Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ein wiedergefundener Bibelvers
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
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deuten wollen, daß sich das untergegangene Israel durch Gottes Gnade erheben werde.1) Ehe wir zu einer Lösung der Frage gelangen, ob ein Vers mit N bestanden hat oder nicht, wollen wir die innigen Beziehungen des zweiten Lobspruches des Hauptgebetes, der Tfilla, zu unserem Psalm 145 berühren. Das Hauptgebet wird wie Aschre, wenn auch in anderer Ordnung, dreimal täglich gesprochen. Die Gedankengänge und auch die Ausdrucksweise des zweiten Lobspruches des Hauptgebetes, welcher G’wuraus oder ,,die Machttaten Gottes“ genannt wird, sind so übereinstimmend, daß man an einer Beeinflussung der T’filla durch den 145. Psalm nicht zweifeln kann. Klarer als die in beiden hiermit zum Vergleich herangezogenen Stücken sich wiederfindenden gleichen Worte und Wendungen wie להושיע, ישועה גבור, גבורת ,ברחמים ,סומך נופלים bezeugt der Inhalt des Psalms und T’fillaabschnittes gleicherweise Gottes Vorsehung und Fürsorge. Hier wie dort wird preisend und dankend davon gesprochen, daß durch die 1J In neueren Kommentaren, beispielsweise zum bekannten Siddur Auzar Hat’fillaus, heißt es im Ez Jaussef: Der Buchstabe N fehlt deshalb, weil nach fünfzig Geschlechtern der Tempel zerstört wurde. Statt des N folgt gleich das SZ, um darauf hinzuweisen, daß das Geschlecht, das man fällte und erschlug, eine Stützung nötig hatte: Nämlich das Geschlecht des Königs Zedekia, denn in seinen Tagen wurde der Tempel zerstört. Dem Vers mit SZ folgt der Satz, der mit עיני beginnt: ״Die Augen aller harren auf dich“. Damit sei wiederum der König Zedekia gemeint, der von seinen Besiegern geblendet wurde. Auch in dem Kommentar Ijun T’fillo zum gleichen Siddur wird auf das allen auffällige Fehlen eines Verses mit Nun Bezug genommen und dies ähnlich motiviert. 40