Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Ein wiedergefundener Bibelvers
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111128-3119348--7885-3119446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
herzigkeit. Sie führen ihn und alle, die sich seinem Denken anschließen, zur Anerkennung des Gottesreiches und zu der Einsicht, daß des Ewigen Vorsehung und Fürsorge unser Leben beschützt und in den Menschen laute Dankbarkeit erweckt. Neben diesem Inhalt war bestimmt von alters־ her auch die Form unseres Psalms besonders an־ ziehend und reizvoll. Er ist alphabetisch angeordnet. Zwar hat er nicht wie der 119. Psalm je acht Verse von jedem Buchstaben des Alphabets, sondern nur je einen, und auch auf diesen Unterschied macht der Talmud auf der oben genannten Seite aufmerksam. Er hält diese kunstvolle Form aber nicht für ausschlaggebend hinsichtlich der Bevor־ zugung, vielmehr den Inhalt. In der Tat muß jeder beim Lesen unseres Liedes wahrnehmen, daß alle Verse, die untereinander dem bekannten Gesetz des Parallelisnius der Satzglieder folgen und im zweiten Teil jeder Zeile einen er־ gänzenden oder erhöhenden Inhalt ihres Anfangs bringen, in vollendetem und klarem, folgerichtigem Anschluß und dabei durchaus ungezwungen gehalten sind. Dies ist dichterische Größe, die nur eine auffällige äußerliche Abweichung erfährt, über die wir hier sprechen wollen, um damit auch dem Ganzen gerecht zu werden. Im Zeilenalphabet des 145. Psalms folgt auf den Buchstaben M (mem) der Buchstabe SZ (szamech). Ein Satz mit N (nun) fehlt. Ist das Zufall oder des Verfassers Absicht gewesen? Wurde der Satz ge- 38