Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Die Psalmen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111128-3119347--7881-3119443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
welches größere Unglück könnte es geben als die Gottentfremdung, die natürliche Folge der Sündhaftigkeit. Des Frommen Glück aber in aller äußeren Not ist das Bewußtsein der Gottesnähe, die durch Überwindung des natürlichen Menschen gewonnene Teilnahme an der sittlichen, der göttlichen Weltordnung. Was wollen gegen solche geistigen Güter Reichtum und langes Leben bedeuten, und wie wenig sind Krankheit und andere Not geeignet, einen solchen Besitz zu zerstören! Darum jubelt der fromme Beter zum Schlüsse: „Wen hab ich im Himmel? Und wenn ich mit dir bin, so begehre ich nichts auf Erden. Mag mein Leib und mein Herz vergehen, meines Herzens Fels und mein Teil ist Gott für immer“ (25 f). IV. Die Entstehung der Psalmensammlung. Wie schon erwähnt, bilden aller Wahrscheinlichkeit nach die kultischen Gesänge, wie sie im Tempel bei feierlichen Handlungen im Gebrauch waren, den Grundstock der Psalmen. Zu diesen kultischen Gesängen kamen später geistliche, nur für das andächtige Lesen bestimmte Gedichte. „Die Veranstalter und Herausgeber der Sammlung hatten die Absicht, ein religiöses Volksbuch zu schaffen, das dem Laien zwar auch die Mittel gewährte, gewissen Ansprüchen im Tempelkult zu genügen, aber hauptsächlich dazu da war, ihm als Andachtsbuch zu dienen“. (Duhm, Psalmen, XXIV). Daß der Psalter ursprünglich keine Einheit war 3* 35