Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Die Psalmen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 14)
- Language
- German
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auch „gehn“ (Übermütige, Stolze) (19,14; 86,14; 94,2; 119,21, 51, 69, 78, 85, 122; 140,6) bezeichnet werden, legt die Vermutung nahe, daß die Feinde der Frommen die Reichen und Mächtigen sind, die ihr Übergewicht zum Schaden der Armen mißbrauchen. Nur in den Psalmen 16 und 73 erhebt sich der Dichter über die Anschauung, nach der Gottes Gerechtigkeit sich in der äußeren Vergeltung des Guten und des Bösen zu erweisen hat. Namentlich Psalm 73 enthält die erhabenste Lösung der Frage nach dem Verhältnis von Verdienst und Glück in der göttlichen Weltregierung. Auch den frommen Dichter dieses Liedes hat die schmerzliche Wirklichkeit wohl gelegentlich zu ungeziemenden Klagen gegen Gott verleitet: „Ja, umsonst hab ich lauter mein Herz und rein meine Hände gehalten und ward doch alle Zeit geplagt und an jedem Morgen gezüchtigt“ (V. 13 f.) Wie wohl ergeht es dagegen den Sündern. „Von Qualen wissen sie nichts, gesund und voll Kraft ist ihr Leib; sie trifft nicht der Sterblichen Mühsal; sie plagt nicht, was andere plagt“ (V. 4L). „Sie sprechen, wie sollte Gott darum wissen, wie gäbe es Kenntnis beim Höchsten? Sieh, also treibend die Sünder, und allzeit im Glück mehren sie Reichtum“ (V. 11 f). Er aber hat sich durch diese Kämpfe hindurchgerungen zu der Einsicht, daß aller Neid auf das Glück der Sünder eine Torheit ist; denn das Glück der Sünder ist trügerisch, ein äußerer, blendender Schein; in Wirklichkeit ist die Sünde an und für sich das größte Unglück; denn 34