Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Die Psalmen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 11)
- Language
- German
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tigkeit. (V. 32,2—4; 69,2—6; 90,7—9; 143,2). Es muß allerdings auffallen, daß im Gegensatz zu den Anschauungen der Propheten und zu den Sprüchen Salomos Äusserungen der genannten Art sehr selten sind, während doch das Gefühl der Sündhaftigkeit nicht unbekannt ist und in 51 und 130 sehr lebhaft und drückend empfunden wird. Zu einem Problem wird die Frage nach Gottes gerechtem Walten erst da, wo den Frommen ein unverschuldetes Unglück, wie Krankheit, trifft oder seiner Not das Glück des Frevlers gegenübersteht, das von Dauer zu sein scheint und den Frommen in seiner Zuversicht und in seinem Glauben an Gottes Gerechtigkeit stört. Die Vorstellungen vom Jenseits boten keinen Trost; denn der Unsterblichkeitsglaube war erst in seinen Anfängen vorhanden. „KannStaub dir huldigen, verkünden deine Treue?“; „ich ward gezählt mit denen, die zur Grube fahren, ward wie ein Mann, der ohne Kraft, verstoßen bei den Toten, sowie Erschlagene, die im Grabe ruhen, an die du nie mehr denkst“; „tust du an Toten Wunder, stehn Refaim auf, dir zu huldigen; erzählt im Grab man deine Liebe und deine Treue im Abaddon?“, so klagen die Dichter von Psalm 30,10; 88,5, 6, 11, 12 auf ihrem Krankenlager, wenn sie von schwerem Siechtum heimgesucht werden und in der Mitte ihrer Tage abberufen zu werden fürchten. Dann quält sie der Gedanke, von Gott verlassen zu sein, dann beten sie: „Bis wann willst, Ewiger, du mich ganz vergessen; bis wann birgst du dein Angesicht vor mir?... Blick auf, erhör’ mich. 31