Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Die Psalmen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111128-3119347--7876-3119438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
7—14; 31; 35; 38; 41; 42; 43; 54—59; 64; 69; 70; 71; 74; 86; 88; 94; 102,1—12, 24, 25; 109; 120; 140—143. Das rechte Verständnis der in ihnen enthaltenen oft leidenschaftlichen Klagen und Verwünschungen gewinnen wir aus der zur Zeit ihrer Entstehung herrschenden Auffassung von der göttlichen Vergeltung. Seitdem der Individualismus eines Jeremia und die Lehre Ezechiels, daß nur die Seele, die sündigt, sterben wird, der Sohn aber nicht bestraft wird für die Sünde des Vaters, ins Volk gedrungen war, glaubte man an einen unverbrüchlichen Zusammenhang zwischen Verdienst und äußerem Glück, zwischen Schuld und Leid. So steht es dem Dichter des 1. Psalms fest, daß der Gerechte einem Baume gleicht, der da gepflanzt ist am Wasser, der seine Frucht bringt zur rechten Zeit, dessen Laub nicht welkt; daß dagegen die Sünder nicht bestehen im Gericht, sondern der Spreu gleichen, die der Wind verweht. Ähnliche Gedanken werden im Psalm 27,1—6; 37; 91 ausgesprochen, und selbst da, wo die Erfahrung gemacht wird, daß „Böse sprossen wie das Gras, aufblühen alle Übeltäter“, stellt sich der Trost ein, daß sie nur so hoch steigen, um „für ewig getilgt zu werden“ (92,8). Daß das Glück der Frevler nur von kurzer Dauer ist, lehren auch Psalm 75 und 73, 18—20. Wie hier, so wird auch sonst dem Frommen, der leidet, das Verhältnis zwischen Verdienst und Glück nicht immer zu einem Problem; er weiß, daß kein Mensch ohne Fehl ist, und erkennt im Leid die Folge seiner Sündhaf- 30