Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Die Psalmen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 5)
- Language
- German
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B. Eine. zweite Gruppe der kultischen Lieder sind die Klagelieder des Volkes (von Gunkel so genannt). Aus den Schriften der Propheten ist bekannt, daß bei allgemeiner Not ein Fasten 'ausgerufen wurde, und es liegt die Vermutung nahe, daß bei solchen Gelegenheiten Lieder gesungen wurden, in denen das Volk seine Nöte Gott vortrug und um Abhilfe betete. Hungersnot, Regenmangel, Krieg, Verfolgungen, Unterdrückungen führten das Volk in das Heiligtum und ließen es Wehklage erheben. Eine religiöse Vertiefung erfahren einige dieser Lieder dadurch, daß das Unglück als eine Strafe Gottes (79, 8; 90, 7 ff) oder als eine Folge vielleicht unverdienten göttlichen Zornes angesehen wird. Politische Nöte werden gleichzeitig als religiöse empfunden, ja, als Zeichen dafür, daß Gott Israel verlassen hat. ,,Gott hat Israel verstoßen“ (74,1); „wie Lämmer hingegeben zum Fraß (44,12); „bis wann wirst, Ewiger, du, dich dauernd bergen?“ (89,47). Schon um seiner Ehre willen muß Gott Hilfe senden. „Warum sollen die Heiden sagen: „Wo ist nun ihr Gott?“ (79,10; 115,2); „bis wann soll, Gott, der Dränger lästern; soll ewig deinen Namen schmähn der Feind?“ (74,10); „bis wann, o Ewiger, zürnst du immerzu und brennt wie Feuer dein Eifer?“ (79,5). Um seines Namens willen (20,8), uni seiner Gnade (10,14; 79,8; 89,48,50) um der besseren Vergangenheit willen (44,2—9; 74,1,2; 80,9 ff; 106) soll der Ewige dem Volke helfen, das auf ihn allein sein Vertrauen setzt (33, 20—22; 44, 4 ff). Dieses Vertrauen läßt das Klage- 25