Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Das jüdische Phänomen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 14)
- Language
- German
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timismus. Aber neben den optimistischen Wertungen der Bibel, dem „Und er sah, daß alles gut war“, dem „Seid fruchtbar und mehret Euch“, den prophetischen Lobpreisungen der Fruchtbarkeit, den Bejahungen alles gotterfüllten irdischen Wirkens und Werkens — daneben stehen doch die tiefpessimistischen, eine frühe Kulturverzweiflung atmenden Mythen des Sündenfalls, der babylonischen Sprachverwirrung — daneben die weltdüsteren Sprüche des „Predigers“, daneben vor allem die leidenschaftlich wuchtenden Anklagen Hiobs, die in ihrer quelltiefen Innigkeit, ihrem großartig echten kosmischen und ethischen Pathos wiederum nicht ihresgleichen in der Weltliteratur haben. Und was Spinoza mit seiner monumentalen Vergeistigung und Versachlichung des aus der Transzendenz in die Immanenz verlegten Gottesgedankens betrifft, so fand ich einmal bei einem Autor die immerhin denkwürdige Bemerkung: Spinozas Diesseitigkeit und Naturbejahung muten im Grunde „hellenisch“, also unjüdisch an — während im Gegenteil der Welthaß des (weltanschaulichen) „Judenfeindes“ Schopenhauers durchaus jüdisch-semitisch wirkt. Hierüber zu vernünfteln liefe auf ein Spiel der Dialektik hinaus. Man kann die jüdische Seele eben weder auf den einen noch auf den anderen Wert dogmatisch festlegen, wenn man nicht durchaus „Prinzipien reiten“ will — auch nicht auf die den Juden vorzugsweise beigemessene Weltzugewandtheit und Lebensverbissenheit. Wie verträgt sich damit der sozusagen „expressionistische“ Charakter 18