Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Das jüdische Phänomen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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spenstisch lastende Ballast; die ,,Leiche an Bord“ (nach dem Ibsen-Wort) — und sie ist im Gegenteil der Zusammenhalt, die Beflügelung, die große Dauerbürgschaft. Im Judentum sind hier, wie durchweg, die Extreme eng verknüpft (als das „extreme Volk“ habe ich schon früher einmal die Juden bezeichnet, das Volk „der tiefen Niederungen und der ganz leuchtenden Höhen“ — und eben dieser Hang zum Extrem, zum Höchstmaß und Übermaß, ist wiederum echt und allgemein orientalisch) . Der Wille zur Bewahrung, die freilich auch zur Erstarrung führen kann, atmet eine wilde und feierliche Großartigkeit — man mag ihn hybrid*, fossil, absurd nennen — aber man wird ihn mit gleichem Rechte auch positiv deuten und werten dürfen. Eine ungeheure, nie abschließende Weltwirkung ist jedenfalls von ihm ausgegangen. Und durchaus folgerichtig, mit innerer sachlich-logischer Zwangsläufigkeit, ruft hier, wie durchweg, ein Extrem das andere hervor: der traditionsstrenge Konservativismus, der ganz im erfüllten, überfüllten historischen Raum steht — den traditionsfernen Radikalismus, der sich am liebsten in den völlig unhistorischen, luftleeren Raum stellen möchte. — Jeher Ewigkeitswille des Orients und des Judentums setzt schon die religiös-metaphysische Weihe des ganzen Lebens voraus. Und dies ist ja in der Tat wohl das wichtigste orientalische Kennzeichen (das allerdings zugleich Ausdruck einer bestimmten, noch mehr oder minder urtümlichen Entwicklungsstufe ist): die Durchtränkung allen Lebensinhalts, 12