Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Das jüdische Phänomen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 7)
- Language
- German
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Wesensbedingt: d.h. in diesem Falle durch den allgemeinen und besonderen Grundcharakter des Judentums bedingt, das „orientalisch“ ist, aber doch auch wieder eine dem europäischen Aktivismus zugewandte Seite hat, also recht eigentlich zwischen Morgen- und Abendland steht, zum Mittler zwischen beiden berufen scheint. Raumbedingt: d.h. durch den landschaftlichen und geistigen Raum der Umwelt bestimmt — zeitbedingt: durch die jeweilige historisch-organische Entwicklungsstufe. Man muß gerade hier mit großer Vorsicht operieren — weil man sonst leicht dem einen Faktor, etwa dem rassischen Grundcharakter zuschreibt, was tatsächlich dem anderen, etwa der zeitlichen Entwicklungsstufe, beizumessen ist. — Es ließe sich nun hier eine ganze Reihe solcher lebendig-schöpferischer Widersprüche, eine Art „Antinomientafel 4 aufstellen (um den tiefsinnigen Kantisehen Ausdruck zu gebrauchen). — Orientalisches Wesen ist auf das Ewige gerichtet, auf lange Sicht angelegt, konservativ-traditionsgebunden. Im relativen Ewigkeitswillen Ägj'ptens, in der seherischen, über-empirischen und über-historischen Traumschau Indiens, in der kosmischen Überpersönlichkeit Ostasiens finden wir es wieder. Vor allem aber in dem unbedingten Ewigkeitswillen des Judentums, der seinen Einzigkeitsanspruch und seine Auserwähltheits-Idee einschließt. Hier stossen wir also schon auf die große Antinomie der Tradition. Welch’ eigentümliches Doppelgesicht hat die Tradition! Sie ist die große Hemmung und Lähmung: der gell