Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Das jüdische Phänomen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
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gewichts ein mehr stabiles Gleichgewicht tritt.— Ist' d€t Schwerpunkt wirklich nur ins Spezifisch- Jüdische verschoben? Um dieses besondere Jüdische legt sich doch als weiterer Kreis, als umfassender Ring das Allgemein-Orientalische. Wir sind Juden, aber wir sind eben darum auch Orientalen. Wenn eine kleine illustrierende Erinnerung persönlicher Art gestattet ist: In Palermo sagte mir vor Jahren mein Pensionswirt, ein früherer avvocatö, ich erschiene ihm als ein „tipo mediterraneo“, ein „mittelländischer Typus“. Dieses Wort war mir sehr erhellend und bestätigend. Ja, waren wir nicht wirklich ein Mittelmeer-Volk, so gut wie andere Orientalen, ja wie Griechen und Italiker? Innerhalb des großen orientalischen Gesamtrahmens waren wir natürlich wieder eine Sonder-Erscheinung eine „Nuance“ — aber immerhin doch als Orientalen. Es vollzieht sich also heut nicht nur eine Heimkehr ins Judentum, sondern darüber hinaus eine weitere Heimkehr in den Orient. Und diese Rückwendung, Rückwanderung zum fernlockenden Lichte des Ostens darf uns wahrlich mit Stolz und Freude erfüllen. Dabei wollen und müssen wir aber von vornherein aller falschen Orient- Romantik abschwören. Nichts gefährlicher als unkritische Selbstverherrlichung, Selbstvergötterung. Auch der Orient hat (und gerade er vielleicht, wie alles, so auch dies in riesigem Ausmaß) seine allzumenschlichen Schwächen und Furchtbarkeiten. — Ein Satz aber muß aller weiteren Betrachtung voranstehen: Je reicher eine Volks-Persönlichkeit; desto 8