Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Er beschloß, dem künftigen Mann seiner Nichte, die sein Mündel war, weiter den Ebertsheimskopf zurecht zu setzen. Aber da kam wieder die Mutter aus dem Nebenzimmer: „Doktor!“ sagte sie, und es war ein Jubel in ihrer Stimme, ein fast zärtlicher Glanz: „Du kriegst auch ein Mikroskop, was du so nötig brauchst! Du darfst es dir aussuchen. Ich freue mich ja so, ich hab mirs schon immer für dich gewünscht: ein Mikroskop!“ Ihre Augen leuchteten im Triumph. Es war, als sähe sie durch das Vergrößerungsglas Hab und Gut und Nachkommenschaft ihres Hauses in riesenhafter Vergrößerung. Sie ist doch gut, dachte Isaac. „Lassen Sie es sich von Ruhmkorff aus Paris kommen!“ empfahl der alte Kollege, „der liefert zur Zeit die schärfsten Linsen. Und wenn Sie dann durch die gelbe Röhre in so ein Präparat blicken, dann stellen Sie sich einmal vor, Kollege, Sie wären der liebe Gott, und die Infusorien da unten wären die Menschen und beteten zu Ihnen: ,Gerechter, hilf!4 Lieber Gott, wie wollen Sie das fertig bringen? — Ich meine immer: ein solider Mensch wie Sie soll seinen Schöpfer mit so ’ner Schnorrerei erst gar nicht in Verlegenheit setzen. Gott ist viel zu groß, er kann sich nicht so weit hinunter bücken. Nicht Gott: der Mensch soll den Menschen helfen, ob er nun Arzt ist oder Bankier. Er darf sich getrost auch selber helfen. . . Und da wir gerade davon sprechen, Herr Neffe in spe: durch Ihr Mikroskop können Sie heut doch noch nicht 334