Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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gucken — wie wär’s, Sie sehen einmal Ihre Zukünftige an? Das haben Sie nämlich bis jetzt noch nicht für nötig gehalten. Ich gehe zu: ansehnlich ist sie nicht, liebenswürdig ist sie auch nicht, aber sie hat doch ein Herz. Nicht Gott: der Mensch soll dem Menschen helfen, das ist Gottes Gebot.“ Er hielt inne. „Also...!“ „Welche ist es denn?“ stieß isaac hervor. Bei der Vorstellung und der Begrüßung war er mit seinen Gedanken ganz wo anders gewesen. Die ihm Bestimmte hätte hundertmal schöner und ansehnlicher sein können, auch dann hätte er wie durch Schatten durch sie hindurch gesehen in sein eigentliches Leben, dessen Wirklichkeit ihm versagt geblieben war. Auch in dem ehelichen Leben, das an diesem Tage begründet wurde und im folgenden Jahre begann, war der Binger Doktor mit seinen Gedanken anderswo. Sein Sinnen und Empfinden war bei seiner Liebe, die nicht starb wie die Geliebte, sondern stärker war als der Tod und das Leben, das ihn umgab. Aber er half seinem Eheweib, und sie, soweit sie es vermochte, half auch ihm. Das Kind, von dem er sie fünf Jahre später entband, glich der Geliebten. Denn es glich Martha. Und er nannte es mit dem Namen, der ihn bis in die Stunde des Todes erfüllte: Mathilde ... Als aus den ernsten tiefen Augen des Mädchens das erste Lachen aufging wie ein erlösendes Licht, 335