Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118963--7789-3119316- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hand des Kollegen, sein Ton wurde warm und herzlich: ,,Es war sehr, sehr traurig, lieber junger Freund. Aber Hand auf’s Herz, Ebertsheim, fanden Sie, daß Sie gegen die Tote sehr im Vorteil waren? — Nun also. Warten Sie nur einen größeren Zeitraum ab, dann wird es der Gerechte schon ausgleichen. Sie müssen ihm nur Zeit dazu lassen, er hat es nicht so eilig wie wir; bei seinem Alter sehr verständlich.“ — „Doktor,“ kam da Mutter Ebertsheim aus dem Seitenzimmer zu ihrem Sohn: „Der Herr Rechtsanwalt will wissen, was du alles für deine Einrichtung brauchst. Ich habe ihm schon gesagt: du brauchst —“ „Ich brauche,“ antwortete Isaac bedächtig, „nur einen Stuhl, einen Tisch und eine Bank. Das habe ich.“ „Wenn Sie bei Ihrer Frau so anspruchslos sind wie bei Ihrem Mobiliar,“ lächelte der alte Onkel, „dann habe ich für mein dünnes Nichtchen keine Angst. Verlangen Sie ruhig zu dem Stuhl eine Chaise, auf den Tisch reichliches Brot und auf die Bank ein Konto! Das kriegen Sie übrigens auch, ohne daß Sie es verlangen.“ Und er dachte, was Leute in guten Verhältnissen gerne denken: Wer genügsam ist, ist zufrieden, und wer zufrieden ist, hat das Glück. Aber Kollege Ebertsheim sah keineswegs glücklich drein. Kommt noch, dachte Onkel Jacob, kommt alles noch. Er muß nur erst wieder den Glauben finden. 333