Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118963--7788-3119315- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hier und hier, hier auch. Was soll ich nur anfangen?“ — „Nehmen Sie etwas Rüböl!“ antwortet Isaac Ebertsheim. Onkel Jakob, der Zweiundsiebzig jährige, lacht Tränen. „So ein unpraktischer praktischer Arzt war noch nicht da! Ein Andrer hätte von dieser Konsultation ein Viertel Jahr lang gelebt, mindestens! Sie werden sehen, Kollege, mein Bruder geht wieder acht Wochen nach Marienbad.“ „Wo bleibt da die ewige Gerechtigkeit?“ entfährt es dem Binger fast wider Willen. Wir wissen, woran er dachte. „Wo sie bleibt?“ wiederholt der alte Medikus. „Wo soll sie sonst bleiben als da, wo sie hingehört: in der Ewigkeit. Ungerechtigkeit, lieber Kollege, hat auch Kredit, aber keinen allzu langen. Je größer der Zeitraum, den wir überblicken — und ich übersehe einen längeren als Sie — um so gerechter geht es drin zu. Die Bilanz wird schon stimmen, nur darf man sie nicht jeden Jahresschluß ziehen wollen. Aber am Ende ist die Weltgeschichte das Weltgericht.“ Er ist mit einmal sehr ernst. „Und was sagen Sie, wenn Ihnen als Arzt das herrlichste Geschöpf, der beste Mensch aus Händen gerissen wird? Ist das ewige Gerechtigkeit?“ „Ich weiß, woran Sie denken,“ erwidert der Greis. „Wir sind über Vieles orientiert, Sie müssen entschuldigen, unser Bankhaus hat einen ausgezeichneten Informationsdienst.“ Er ergriff die 332