Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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ein Nebenzimmer zurück, um den Verlobungsvertrag ins Reine zu bringen. Martin ist ein hervorragender Jurist, in der Gemeinde spielt er eine noch wichtigere Rolle als in der Familie, aber bei Wilhelmine Ebertsheim hat er seinen schweren Stand. „Frau Ebertsheim“, erklärt er bald, „an Ihnen ist ein Advokat verloren gegangen.“ „Schadet nichts. Es gibt noch genug,“ versetzt die kleine alte Frau in dem altmodischen Shawl, der so sehr gegen den neumodischen Kleiderluxus in dem Bankierhause absticht. Heut fühlt sie sich auf der Höhe ihres Daseins. Heut gilt’s! Inzwischen hat Onkel Jakob, der Arzt, dem Binger Kollegen und künftigen Neffen von wissenschaftlichen und sanitären Einrichtungen der Gemeinde und der Stadt Frankfurt erzählt, vom jüdischen Hospital, das er so viele Jahre hindurch geleitet; auch von dem Siechenhaus auf dem Röderberg, das die Urgroßeltern gestiftet, ließ er Rühmliches einfließen. „Wenn Sie Wert darauf legen, lieber Koilega, könnten wir Ihnen dort eine leitende Stelle verschaffen.“ Doch der Binger will nichts von dem Röderberg wissen. Er bleibt lieber am Fuße des Rochusbergs. Onkel Maximilian, der Bankier, ein jovialer Fünfziger, tritt zu den Beiden. „Ausgezeichnet, Ihr haltet wohl ein Konsil! Da wißt ihr vielleicht auch mir einen Rat. Ich fühle als so einen furchtbaren Druck in mir. Ein Stechen und Brennen, nicht zum Aushalten!“ klagt er. „Jetzt wieder: 331