Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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„Tut, was ihr für richtig haltet!“ sagte Isaac schwer. „Weinberge“, erklärte die Mutter, „sind sicherer als alles andere. Dazu reicht es noch außerdem.“ Sie kramte ein Papier hervor, das ihr der Sensal gegeben, und las die Namen der gerade verkäuflichen Weinberge. Auch der Ebertsheimskopf war dabei, der Hipperich: Mont Soleil . . . „Da gehöre ich hin“, sagte Isaac leise. — Kaum vier Wochen darauf finden wir die Binger in dem stattlichen Haus der künftigen Verwandtschaft in Frankfurt am Main zwischen gemalten Tapeten, kostbaren Möbeln inmitten plaudernder, schmausender Familiengruppen in dem von Leuchtgasflammen erhellten Eßzimmer. Wahrlich nicht ohne Sinn hieß das Stammhaus „der Storch“. Der Storch war, wie einer der Braut-Onkel schon bei der Vorstellung und Begrüßung bemerkte, in diesem Gebäude ständiger Gast gewesen. Da waren nebst mehreren Brüdern die acht Schwestern der zu Verlobenden, da waren Scharen von Schwägerinnen in pompösen Krinolinen, Schwägern, Neffen, Nichten und Onkel und Tanten mit Kindern und Enkeln. Den Bingern wurde bang und schwindlig. Hier würden sie sich nie herausfinden! Und das Mahl war ihnen viel zu üppig. Sie dachten der Küche daheim. . . Wo bleibt da Gottes Gerechtigkeit? Wenn wir Martha so hätten nähren können . . . sann Isaac. — Nach dem Essen zog sich Martin, Isaacs künftiger Onkel, mit Mutter und Vater Ebertsheim in 330