Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn schon, Marthel“, fügt er unter Küssen hinzu: „Von dir nehme ich alles, auch Krankheit. Aber ich küß dich gesund, du wirst sehen!“ „Koscherzettelche! Koscherzettelche!“ lachen sie ihren Warner aus. Isaac möchte schreien: „Sie ist daran gestorben, du hast es von ihr!“ Er kann es nicht. Und jetzt ist es zu spät. ¥ Zwei Jahre nach dem Tode seiner Verlobten wurde auch Josef Wiener oben auf dem Binger Friedhof zur ewigen Ruhe gebettet. Heut liegt auch der Binger Doktor da droben, gegenüber dem Mont Soleil. Schon seit mehr als einem Menschenalter. Damals hat er es nur gewünscht, aus leidvoll einsamem Herzen: „Tot sein wäre gut.“ Er war von Gott und allen Lebensgeistern verlassen. „Tut, was ihr für richtig haltet!“ sagte er bei allem, was man ihn fragte. „Macht, was ihr wollt!“ sagte er auch, als nach Jahresfrist Brüder und Mutter verstärkt in ihn drangen; sie hatten die alten Zukunftspläne noch nicht begraben. „Wenn es euch wenigsten glücklich macht, was liegt an mir“, sagte Isaac langsam. Er fragte nicht einmal nach dem Namen der ihm Bestimmten. „Der Anton Rheinbinder“, fing Bruder Samuel an, „will seine Fabrik verkaufen. Das wäre dann so was für uns!“ — 329