Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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zum Lämmchen vor. Der Bruder kommt mit; man ließ damals ein Brautpaar nie allein. Auch kann er dann gleich in Trechtingshausen einen Patienten besuchen, er hat seine Praxis wieder auf genommen. Martha sitzt fröhlich im Fond. Wie lieb von Josef, sie auszufahren! Die Fußgänger grüßen und winken und denken gewiß: Vornehm, Donnerwetter, die Ebertsheims! Auf dem Rückweg ruft sie in Bingerbrück: ,»Rechts, Josef!“ Und nach einer Weile abermals: „Rechts!“ Dem Bruder pocht das Herz. Sie fahren an Mathildens kleinem Haus vorbei — zum Mont Soleil ... „Weißt du, daß Papa hier immer auf dich gewartet hat?“ plaudert Martha und steigt aus dem Wagen. „Und nun bist du da. Und Deine war auch hier, schau!“ Sie fängt einen Sommerfaden aus der Luft: „Da ist noch ihr Garn, damit näht sie an meinem Hochzeitskleid . . .“ Sie schlingt ihre Arme um den Verlobten. „Jizak erlaubt es uns: du darfst mir einen Kuß geben, Josef!“ „Nein!“ sagt der Doktor erschrocken. „Kein Kuß!“ Die Liebenden werden böse. „Warum?“ „Ich weiß heut mehr als vor neun Jahren, die Wissenschaft ist noch weit zurück! Er könnte sich anstecken. Ihr müßt damit warten, bis du gesund bist.“ Die Kranke blickt aus tiefen Augen sehnsüchtig auf ihren Bräutigam. „Ach was“, sagt der. „Bei uns in Löwenstein ist sowas nicht ansteckend. Und 328