Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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sie mitzunehmen zum Bruder! Aber der Schiffer mußte weiter bis Rotterdam. „Was soll ich da mit Ihnen, Mamsell?“ wehrte er. „Ich weiß nicht, ob ich den Mann je wiedersehe.“ Da gab sie ihm ein Schreiben mit, das sie seit Monaten vorbereitet hatte und in dem sie den Bruder mit vielen herzlichen Worten beschwor, heimzukommen oder zu schreiben. Weiter stand in dem Brief: „Jizak, weißt Du denn schon, daß ich mich verlobt habe? Josef Wiener heißt er und ist aus der Weinbranche. Er hat einen schönen Tenor und kann viele Lieder. Das müßt Ihr hören, wenn Ihr kommt! Du, ich träume jede Nacht von Deiner. Sie ruft mir: Komm tanzen! Ich nähen dich das Hochzeitskleid! — Oh, das wäre schön! Küsse die Gute tausendmal von mir, sie soll nur ja mitkommen; an meiner Hochzeit wird die Mutter nicht schelten. Dann tanzen wir bis in den Morgen. Liebster Bruder, ich habe manchmal so ein dummes Gefühl in der Brust, und wenn ich nachts aufwache, ich wache immer nachts auf, bin ich am ganzen Körper naß und kann gar nicht wieder einschlafen, weil ich so viel husten muß. Aber Mutter meint, das vergeht schon, Hast du kein Mittel dagegen, daß es ein bißchen schneller vergeht? Bitte, schicke es mir doch oder bringe es mit, das wäre das beste, lieber Bruder!“ Der Schiffer muß wohl von Rotterdam wieder zum Oberrhein zurückgekehrt sein; denn es vergehen keine zwei Monate, da tritt Isaac eines 325