Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 323 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Opium, bei Gernsheim, wo sich der Strom nach Südwesten wendet, ein Glas Milch. Hinter Rheindürkheim aber, als die Dunkelheit heraufzieht, ist Mathilde tot. ★ In Biblis an der Weschnitz wird sie begraben. Als man den Sarg — oh, er ist viel zu groß für das kleine, zarte Figürchen! — ins Leichenhaus trägt, strahlt die Sonne so inbrünstig heiß, als wolle der Himmel alles wieder gut machen, was er ihr angetan. Aber nun ist es zu spät. — Die Sonne scheint und brennt in der tiefen Grube. Wo war sie die ganze Zeit? Im Grab? denkt es in Isaac. Und wo war Gott? — Sein Kinderglaube verschwindet unter den Schollen, die vom Spaten des Totengräbers über den Sargdeckel fallen. Als das letzte Stück Holz unter dem warmen schwarzbraunen Grund unsichtbar geworden, ist auch der Doktor verschwunden. Neun lange Jahre bleibt er verschwunden. Ebertsheims forschen ihm nach bei Verwandten, Bekannten, sogar bei der Polizei — umsonst. Einmal bringt ein Rheinschiffer Geld nach Bingen ins alte Haus. In Kehl hat es ihm ein Fremder anvertraut, ein großer, breitschultriger Mann mit offener Brust und breitem Freiheitshut. Ein andermal glaubte der alte Anderees, der Wingertsmann, oben auf dem Hipperich den Doktor zu sehen: unbewegt, entblößten Hauptes. Als er, so schnell ihn die alten gichtigen Beine