Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 321 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118963--7777-3119304- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
In Heidelberg, erfuhr er endlich, regnete es noch wie aus Eimern. Aber weiter droben in den Löwensteiner Bergen, auf der Hohenloher Ebene bis zur Frankenhöhe und den Ellwanger Bergen könnten Bauern und Winzer lachen, da sei alles voll Sonne. Noch zur gleichen Stunde akkordierte Isaac mit einem Holländer Schiffsherrn, der mit seinem Frachtdampfer vor Bingen ankerte, zwei Plätze für den nächsten Morgen und übergab dem im Frühjahr zugezogenen Kollegen seine Vertretung. Fort, nur fort! Das hätte er längst tun sollen. Auch sein Vertreter war der Ansicht: „Luftveränderung! Sonne allein tut es nicht.“ Vielleicht deshalb der ewige Regen! dachte Isaac. Vielleicht wies ihm der Ewige auf diese Weise den rechten Weg. Vielleicht war er nur zu dumm gewesen, Gottes Fingerzeig zu verstehen! Sicherlich hatten die englischen Kollegen recht, die ihre Patienten aus dem Londoner Nebel über den Kanal sandten. Nur aus Neid hatte der alte Klerke die Reisen der Phthisiker verhöhnt. Oh, er kannte diesen Neid! Neideten ihm nicht die eigenen Nächsten sein schmales Glück? — Die Kranke schmückt sich zur Fahrt, Martha kämmt und flicht ihr das lockige Haar. Sie sitzen auf dem Bettrand. Mathildens Beine sind dünn wie Hölzchen. Die weißen Strümpfe, die ihr die Freundin anzieht, schlottern. Dabei ist sie guter Dinge. „Ich waren nur krank vor Langerweiler“, lacht sie und singt: 21 321