Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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steht, können auch jüdische Mütter, die mütterlichsten dieser Erde, sehr wild und böse werden. Daß Mathilde, ein uneheliches Kind, Jüdin sein könne, wies sie mit schrillem Hohn zurück. Und wenn, dann gehörte sie zur Bagasch! So tief waren die Ebertsheims selbst im größten Elend nicht gesunken! „Du gehst mir nicht mehr nach Münster“, befahl die Mutter: „Das muß ein Ende nehmen!“ „Ein Ende . . .“ durchschauerte es den Sohn. Er sah das Ende. Er las es aus allen Büchern, die er sich aus Mainz und Gießen hatte kommen lassen und des Nachts beim Schein der Oellampe mit schmerzenden Augen durchforschte. „Exitus“ hieß dort dies Ende: Exitus in mortem. Nein, das durfte nicht sein, und wenn die Mutter auf die Seite des Todes trat, mußte er sie hassen und bekämpfen wie den Tod. Als nun auch noch die Brüder, die bis dahin bitter verlegen und trotzig am Tisch gesessen hatten, sich in den Streit mischten und ihm vorwarfen, wie viel die Familie für ihn getan, als sie ihm vorrechneten, was er an Medizin und Aliment für die Fremde ausgegeben, als sie ihm das Mineralwasser vorwarfen, das er zu ihrer Heilung aus Ems und Selters bezogen hatte, da empörte sich sein Ebertsheimskopf, der das Erbteil der Mutter war, und glühte: „Keinen Kreuzer will ich von euch, alles, was ihr mir je gegeben habt, kriegt ihr zurück, ich brauch es nicht, ich hab mich in Gießen selbst durchgebracht, und wenn ich wieder Stunden gebe: meine Patientin lasse ich nicht im Stich, ich wäre 316