Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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mein Mann. Es gibt so manches reiche Mädchen, das gern einen Doktor nimmt. Oh, sie wußte schon eine: aus Frankfurt! Gerade. Die Verwandten drüben, die nichts mehr von den Ebertsheimer Wolfs wußten, sollten sie kennen lernen. Zur Hochzeit sollten sie kommen und staunen. Mutter Wilhelmine hatte sogar schon über die Mitgift verfügt, die der Doktor dereinst von einem reichen Schwiegervater erhalten würde. Davon wollte sie erst einmal den zwei andern Söhnen ein gutes Geschäft errichten oder eine Fabrik. Eigens zu diesem Zweck hatte sie die beiden auf die neu eröffnete Binger Realschule geschickt. Als Kauf' herrn oder Fabrikanten würden sie Töchter aus den besten Familien in ihr altes Haus führen! Ja, die geborene Lämmchen war eine weitblickende Frau und viel, viel energischer als ihr Mann, der stille, in sich gekehrte Wolf. In Bingen ging damals das Wort: „Der Wolf heiratete das Lämmchen, aber nach der Hochzeit wurde das Lämmchen zum Wolf und der Wolf zum Lämmchen.“ Ein treffendes Wort. Auch an Isaac bewahrheitete es sich. Wie ein Wolf fuhr die Mutter, kaum daß sie von der großen Liebe des Sohnes erfahren, auf ihn los. Mütter sind nicht immer so, wie eine gefühlvolle Romantik sie bis auf den heutigen Tag zu schildern liebt. Auch Mütter sind Menschen und mit allen menschlichen und unmenschlichen Eigenschaften behaftet. Wenn es an ihre mütterlich ehrgeizigen Wunschträume geht, wenn ihre wohl gewahrte Autorität auf dem Spiele 315