Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Ebertsheim und andern Dörfern der Gegend hausierend und trödelnd ihr Leben hatte fristen müssen, nun wieder auf die alte Höhe bringen. Die Verwandten in Frankfurt, die sich noch immer nach dem Wormser Haus benannten, die Frankfurter Wolffs, hatten das Ziel erreicht, das Schicksal war ihnen hold gewesen, sie waren Aerzte und Tuchfabrikanten. Schon zu Großvaters Zeiten hatten sie sich von den armen Wolf-Ebertsheims abgewandt. Denen war doch nicht zu helfen, hatte es damals geheißen; sie waren unpraktisch, verträumt und weich, sie verschenkten ihr Bißchen, sie konnten nicht rechnen, nicht rechnen können ist eine Schande! Das behauptete auch Isaacs Mutter, die eine gescheite und ehrgeizige Frau war. Es kränkte sie, sie wollte es nicht wahr haben. Nein, die Ebertsheims, zu denen sie jetzt selber zählte und denen sie ihr Geburtshaus und einen Wingert zugebracht hatte, sollten endlich zeigen, daß sie mehr konnten als trödeln. Sie hatten doch Köpfe mit Grütze drin, auch wenn sie nicht so gut rechnen konnten. Das wäre das Wenigste, meinte sie. Rechnen vermochte sie selbst, es mußte nur etwas da sein, womit man rechnen kann. Geld muß ins Haus! —- Darum hatte sie ihren Isaac, das begabteste ihrer Kinder, den Primus seiner Klasse, studieren lassen, und nun war das alte Haus in der Judengasse wie einst in den Tagen Reb Isaacs, ihres Ahnherrn, wieder ein Doktorhaus. Weiter, Doktor, weiter! Als mein Mann so alt war wie du, war er schon 34