Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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um eine Erleuchtung, wie sich die furchtbare Krankheit, die von Monat zu Monat fortschritt, aufhalten und zurückdrängen lasse. Im gelobten Land, fiel ihm ein, gibt es die Auszehrung nicht, auch nicht in den warmen Landstrichen, aus denen man einst unsere Stämme vertrieb. Selbst die Luft der Alpen, hatte er gelernt, verhütet die Ausbreitung der Tuberkeln. Er hätte das Geld für die Reise zusammengebettelt, aber wie konnte er die von hektischem Fieber Ausgezehrte den Anstrengungen einer solchen Reise aussetzen? Hatte es nicht der erfahrene Klerke für Unfug und Modetorheit erklärt, daß englische Kollegen ihre Tabeskranken nach Nizza sandten? War es wirklich nur Mode? War’s nicht vielleicht die Rettung? — Es mußte ein Mittel geben. Aber wo? — „Zeig mir das Mittel!“ betete er, während seine ruhelosen Hände ein Senfbad richteten. ,,Und wenn ich deiner Gnade unwürdig bin, so nimm mich, Gerechter, und laß Mathilde leben! Laß mich Mathilde heilen und dann sterben wie Laennec starb! Nimm mich an ihrer Statt!“ Mit gesteigertem Eifer stürzte er sich in die Arbeit, er gönnte sich keine Ruhe, kaum Schlaf. Er hatte ja noch andere Patienten; er war damals der einzige Arzt in der Gegend. Erst im April sollte sich ein zweiter niederlassen. Da gab es so manches Haus, in dem man ihn täglich mit Ungeduld erwartete. Oft holte man ihn von der Straße weg. Man wußte um seine verzweifelte Liebe, und mancher geheilte Patient zeigte ihm Mitgefühl und 3«