Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118963--7766-3119293- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fahren war und mit seinen vollen Lippen und dichten Locken fast dem eines Mauren glich. Mit diesem Kopf wollte er durch die Wand, die Natur und menschliches Unvermögen vor ihm aufgerichtet hatten. Wozu hättest du sonst studiert? sagte er sich. Wenn du das nicht kannst, bist du ein Esel, die Wissenschaft Lüge! Jeden Morgen um sechs, jeden Mittag und jeden Abend lief er nach Münster. Mit seligem Lächeln grüßte Mathilde den Ersehnten. Wie eine Heilige lag sie auf ihrem dürftigen Lager. „Sie die beste docteur in die Welt!“ Sie spürte nicht das Fieber, das sie verheerte. „Tildchen“, ermutigte sie der Doktor, „laß erst den Sommer da sein; der macht dich gesund. Der Sommer ist ein viel tüchtigerer Arzt als ich.“ Sie küßte seine Hand und er die ihre. „Ich träumen jede Nacht von dich“, sagte sie. An windstillen Tagen trug er sie in den Stall, der Anderees Nachbar gehörte. O wie leicht sie war, wie ein Luftgeist so leicht! — Stalluft, lehrte man damals, sei von wohltätigem Einfluß auf erkrankte Lungen. Mathilde war gern bei den Pferden, die sich zu ihr hinab neigten, sie beschnupperten und sich die Nüstern streicheln ließen. „Wenn ich gesund bin, ich reiten mit dir in Frankreich!“ Vielleicht tut Gott das Wunder, dachte Isaac. Gott vermag, was den Koryphäen unerreichbar ist, und sie ist würdig seiner Gnade. Und er betete 310: