Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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hatte, erlag er selbst in Qualen der von ihm zeitlebens bekämpften Krankheit.“ — Name und Schicksal Rene Laennecs wühlten ihn in den Nächten und Tagen, die nun kamen, gewaltig auf. Die unbewiesene Möglichkeit, daß es sich um eine nahe Verwandte, vielleicht gar um eine leibliche Tochter des jung verstorbenen Phthisikers handle, beschloß in sich die furchtbare Gewißheit der erblichen Auszehrung. Würde er, der kleine arme Landarzt erreichen, was dem großen Kollegen mit all seinen Hilfsmitteln versagt geblieben war? — Und sprach nicht die Ergebnislosigkeit aller Bemühungen in dem tragischen Falle Laennecs für die Wirkungslosigkeit der ganzen Therapie? Wenn die Natur sich nicht selber half, wenn Gott kein Wunder tat, dann würde Mathilde — er wagte es nicht, den Gedanken zu Ende zu denken. Er riß sich zusammen wie früher vor seinen medizinischen Prüfungen. Dies war die letzte, die schwerste. Physikum, Staatsexamen und Doktorrigorosum waren dagegen ein Kinderspiel! Was nutzte ihm jetzt sein märchenhaftes Gedächtnis? Alles, was darin an Prognosen dieser Krankheit aufgestapelt lag, endete mit den Worten: Ungünstig, äußerst ungünstig, gefährlich, äußerst gefährlich, schwierig, langwierig, dunkel . . . tödlich. Er mußte dies Wissen mit Gewalt unterdrücken, denn es lähmte. Seinen Ebertsheimschen Dickschädel mußte er auf setzen, diesen eigensinnigen Kopf, der ein Erbteil mütterlicher Vor- 30Q