Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 7)
- Language
- German
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Selbst wenn Isaac die neue Patientin nach Herkunft und Glauben gefragt hätte, er wäre von ihrer Antwort nicht klüger geworden. Sie wußte nur, daß sie in Lothringen geboren war, und daß ihre verstorbene Mutter Minnier, sie selbst aber Mathilde La Ennec hieß. Diese Merkwürdigkeit war in den ersten Zeiten der Herrschaft des Code Napoleon nichts Seltenes. Uneheliche Mütter suchten die harte Vorschrift: „La recherche de la paternite est interdite!“ zu umgehen, indem sie sich in einer fremden Stadt unter dem Namen des treulosen Kindsvaters meldeten. Wenn sie dann bei der Geburt das Unglück oder vielleicht auch das Glück hatten zu sterben, trug wenigstens das geliebte Kind den ehelichen Vatersnamen. So war Mathilde zu dem Namen La Ennec gekommen, und dieser Name, den Isaac aus dem Munde des alten Winzers vernommen, erregte und beunruhigte ihn ins Tiefste. Denn er war ihm bekannt. Die ganze medizinische Weit war damals von dem Namen Laennec erfüllt. Ebertsheim brauchte nicht erst in seinen Gießener Kollegheften zu blättern. — „Rene Theophile Hyacinte Laennec“, antwortete er sich selbst gleich einem Examinator, „wurde in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geboren. Nachdem er als Arzt der französischen Armee und Leiter eines Pariser Hospitals Bedeutendes für die Bekämpfung der Tuberkulose geleistet und durch Erfindung des Stethoskops einen gewaltigen Fortschritt in der Erkennung dieses Leidens getan 308