Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Vergnügen, aber er hat auch sein Gutes. Er ist ein Wink Gottes. Auf passen! spricht er: Sich hübsch warm halten und ordentlich essen! Mir sagt er auch manches; ich weiß nun, was Ihnen fehlt.“ Er wußte, er sah es ohne Untersuchung. Das anmutige Geschöpf besaß, was die damalige Heilkunde den phthisischen Habitus nannte: lange schmale, fast durchsichtige Hände, wunderbar helle Haut, den sehnsüchtig geschwungenen Hals auf einem gar zu grazilen Körper und auf den Wangen eine fast freudige Röte. Isaac wußte: all dies sind bedenkliche Symptome, er wußte es genau. Und doch stand seine empfängliche Jünglingsseele, fernab allem gelehrten Wissen, im Bann dieser Erscheinungen, die nicht häßlich sind, sondern lieblich herzergreifend. Es ist, als mühe sich das junge bedrohte Dasein aus tiefsten Lebensgründen, ein letztes Glück zu erhaschen, und erzeuge zu diesem Zweck aus Fieber und Atemnot eine wundersame Blüte. Auch die Seele der Kranken blühte wunderbar auf. Isaac war wie im Fieber. Während sein Hirn in rasender Eile über therapeutische Maßnahmen, Teer- und Ghlordämpfe, Haarseil, Schröpfköpfe, Senfbäder und sogar über allerhand Geheimmittel, wie Fuchslunge und Dachsfett, nachsann, war sein Herz von Mathildens Zauber erfüllt. Er liebte sie. Aber das wußte er nicht. Er wußte auch nicht, woher sie kam, nicht, ob sie Frau oder Mädchen war, nichts von ihrer mühseligen Arbeit und ihrem zähen Willen, sich nach 306