Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 4)
- Language
- German
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eine schöne gleichmäßige Wärme. Könntest du eine wollene Decke entbehren?“ „Sie auch frieren, pauvre docteur!“ rief die Kranke teilnehmend. Isaacs Zähne klapperten. Anderees kam mit einer Schaufel voll Glut über den Hof. „Was haben wir denn zu Abend gegessen, Kind?“ fragte Ebertsheim. Die Patientin schüttelte den Kopf. „Nichts? Sehr unrecht“, sagte Isaac, und auf den rührend erschrockenen Blick des Mädchens: „—von den Menschen, daß sie einem zarten Wesen wie Sie nicht genug Essen geben. Sehr unrecht/4 Er sah sich in dem engen Stübchen um. Neben dem ungeheizten Ofen lagen Schere, Zwirn und etwas Weißzeug. Davon riß er einen Streifen ab, die Kranke zu reinigen, und gab dem Wingertsmann ein paar Kreuzer: „Brot, Butter, ein Handkäs, und wenn du etwas Geißmilch auftreiben kannst; ihr habt doch eine Geiß? Geißmilch wäre entschieden angebracht.“ „Merci bien, monsieur!“ dankte die Fiebernde, während Isaac ihr das Blut von Lippen, Kinn und Hals tupfte. „Müssen sterben ich?“ Eine seltsam schwirrende Heiserkeit lag wie ein Flor über ihrer weichen und hohen Stimme. „Sie dürfen eine Weile nicht reden“, sagte Ebertsheim tief und langsam, „solche Sachen überhaupt nicht, Mamsell! Ganz stille sein und leben wollen! Ich habe schon Kränkere wieder auf die Beine gebracht. So ein Blutsturz freilich ist kein 20 305