Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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unseres Dichters Verzicht auf die „großen“ Szenen kritisierte. Mit diesem Verzichten hatte sich Beer-Hofmann von Anfang an außerhalb aller Reihen gestellt, und so konnte er 1904, nach der Berliner Aufführung seines „Graf von Charolais“ jenen schon erwähnten Brief mit folgenden Sätzen bekommen: „ .. . Die Pause zwischen dem vierten und fünften Akt, die Selbstverständlichkeit, mit der Sie über das Entscheidende, das doch nur ein Zufälliges wäre, wenn im Leben nicht die Oberfläche entschiede, sondern das Wesen, hinweggehen, ist das Größte an Ihrer Dichtung. Wilde sagt, es komme nicht auf das an, was der Mensch tut, sondern was er ist. Sie fügen hinzu: aber das lebenentscheidende Tun der Menschen richtet sich ewig nach dem, was getan wird. Und Sie fügen weiter hinzu: Ist der Mensch denn, ist die Welt denn überhaupt etwas anderes als dieser ewige Wechsel der Masken? Sie fügen es mit recht viel Bitterkeit, in pessimistischen Tönen hinzu. Die Zukunft wird entscheiden, ob Sie für Ihr Weltempfinden nicht auch andere Töne haben. Ich glaube es und höre hinter all dem Bitteren auch schon Klänge der letzten Heiterkeit, die wir nur noch ertragen wollen, wenn sie aus der letzten Bitternis und tiefster Qual geboren ist.“ In diesem Prolog leuchtet diese vorhergesehene Heiterkeit immer wieder durch, und schon das ergreifend leichte Gleiten von einer Sphäre in die andere, vom Lächeln zum Erhabenen und vom Monumentalen wieder ins Kindhafte, ist das schönste und zarteste 251