Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Könnte man das nicht noch nachträglich sehen? „Man könnt es — sieh!“ lächelt der Prolog und malt mit ein paar Worten den Knaben David, wie er die Schleuder spannt, aber damit ist des Spiels genug, der Prolog wird heilig ernst: es geht hier um kein Schaustück, noch „trügerische Leinwand- Pracht“ : Aus Wort — aus Wort allein muß ausgehn alle Kraft, Die Wolke, Wetter, Licht und Finster schafft, Wort muß euch zwingen, selber Fels zu türmen, Meer zu erschaun, Flut, Wogen, Branden, Stürmen, — Wort mit euch ganz allein in tiefer Einsamkeit Spricht: „Werde!“ — und um euch wird Raum, wird Zeit! Niemanden brauchend, nackt, auf sich allein gestellt, Muß Wort neu schaffen Schein des Scheines dieser Welti Und während die traumhafte Szene sich von neuem wandelt, hallen noch diese Verse in uns nach, in denen mit epigrammatischer Schärfe und Härte das Programm aller reinen, hohen, dichterischen Kunst überhaupt und ein für alle Male gegeben ist, und wir fühlen, daß wir an einen ersten Höhepunkt dieses kurzen Werkes gekommen sind, während wir noch nachträglich lächeln, weil es gerade, welch feiner Zug, ein Kind sein mußte, das 250