Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118960--7702-3119232- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
hiheingetragen: der Knabe von heute steht hier wie am Sederabend der jüngste Gegenwartsmensch mitlebend, weil fragend, mitten in der Geschichte vom Auszug der Kinder Israels aus Aegypten: Bei der Beleuchtung ist mein Vater, und da darf Ich — was man nicht darf —: bei dem Feuerwehrmann stehn Und durch ein Guckloch auf die Bühne sehn. Der Knabe fragt — nach dem Knaben, der David ,,treu war wie ein Hund“: „sag, lebt der noch?“ Ja, dieser Treue ist Uriah, längst Hauptmann nun im Heer, und Elischebas Tochter Bath- Seba ist Uriahs Weib; und in diesem nur erst berichtenden, noch nichts als Namen gebenden, leichten Gespräch, den Antworten des Prologs auf die kindlichen Fragen, wetterleuchtet schon die künftige Tragödie auf. Aber als sähen es nur gerade die Menschen auf der Bühne nicht, als wüßte es der Dichter noch nicht, geht das Fragen und Antworten heiter von Namen zu Namen über, der Knabe wird sicherer, kritisiert, schüttelt den Kopf: „Zu wenig zeigt man hier!“ Und zählt frischweg die ergibigsten Szenen der Historie auf, die sich der Dichter hat entgehen lassen; und wahrhaftig, er hat recht, es sind die Szenen, die jeder andere aufgegriffen hat, mit deren Darstellungen in Poesie und Prosa, öl und Pastell und Zeichnungen man ganze Bibliotheken und Museen füllen könnte: David, zu Schauls Füßen Harfe spielend, die Hexe von Endor, Davids Kampf mit dem Riesen Goliath... 249