Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118960--7701-3119231- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ausgabe des Dramas teilt Beer-Hofmann auch die Quellen mit, die er, im Prolog für die deutsche Fassung, im Drama für all seine historische An^ gaben benutzt hat. Woraus zu ersehen ist, wie dieser Mann arbeitet; denn es sind die wesentlichen Werke der Geschichte, der Altertumsforschung, der palästinensischen Geographie, der biblischen Flora- und Fauna-Beschreibung usw., die seine Angaben bis ins Einzelne bekräftigen, und es sind die zwölf sprachmächtigsten Bibelübertragungen, nach denen er seine Fassung der Ruth-Geschichte gestaltet hat. Gewiß sagt es über den dichterischen Wert eines Dramas nichts aus, ob sein Verfasser ein gelehrter Mann ist oder nicht, aber gerade bei einer Dichtung wie dieser biblischen, kommt es auf mehr an als auf die nur künstlerischen Effekte, und es handelte sich ja nicht nur darum, ein monumentales, sondern auch ein legitimes Werk zu schaffen.) Das Bild vom jungen David erlischt sogleich wieder, eintöniger, kurzstampfender Sang ertönt, die Davidsburg, wie sie gebaut wird, erscheint: ,,Es wächst auf Zions Höhe Davids Stadt“, und der Prolog wendet sich, wenn er die alten Namen nennt, „verbindlich zu den Zuhörern“, um ihnen wie im Vertrauen zu bedeuten, wie diese Namen einst, später, jetzt heißen werden, das Jerusalemsbild erlischt. Ein Knabe ruft den Prolog, und wenn wir noch eben im dunklen Glanz jener davidischen Jahrtausendwelt zu sein glaubten, so sehen wir nun anmutig unvermutet eine neue Lebensschicht 248