Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Worten —dieser Alte, Verhaltene, der geheimnisvoll mehr ist als irgend ein Greis: Steh ich denn hier? Hier stehen hundert Jahre deines Volks — Kein einzges ruhevoll, verstört ein jedes Von Plündrung, Brand, verschleppten Frauen, Kindern- Hier knien hundert Jahre Bangen, Hoffen — Jagst du sie fort — weil heut dir Weh geschah?! Immer heller wird die Stimme des Alten: „Du bist nicht dein! — Ein Volk hat dich erträumt!“ Und dann das grandiose Finale, wie Ruth, die Ahnin des Geschlechts, erscheint und David endlich die Krone tragen will, — so wie er jetzt zum Beginn dieses Vorspiels auf dem Theater in einer verdämmernden Traumvision vor uns steht: Umrauscht von Harfen, Jubelsang und Rufen — Und hinter ihm, silbern umschleiert auf den Stufen, Mondüberrieselt, ragte segnend — Ruth! Mit diesen Versen, deren hell und dunkel wundersam tönende Vokale selbst Musik sind, beginnt hier der Prolog seine erklärende Aufgabe, und wir horchen auf, denn es ist ein gewachsener Mensch, der da neu beginnt. Dieser Prolog, nein, nicht dieser — es ist jetzt zwanzig Jahre her, daß Beer- Hofmann etwas Aehnliches begann, daß er eine